Die Doula ist eine Dienende.

Eine Dienende der Frau. Sie stellt ihre Dienste für einen ganz besonderen Lebensabschnitt zur Verfügung und begleitet dich in der Zeit von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett.

Cerstin & Simone

In diesem Artikel geben wir dir einen Einblick in die Arbeit einer Doula.

Ich sage wir, denn diese Zeilen schreibe ich nicht alleine. Sie sind eine “Nonawunder-Gemeinschaftsproduktion”, ein Frage-Antwort-Spiel, ein Interview.

Mit einer Frau, die für die Doulabegleitung brennt, auf ihre nächste Rufbereitschaft hin fiebert und sich bei jeder Geburt aufs Neue über die Schönheit weiblicher Gebärkraft und den Anblick neugeborener Menschenkinder freut.

Interview mit einer Doula

Simone: Meine Liebe, was ist das Besondere an deiner Arbeit?

Cerstin: Es ist der Zauber, die Magie, wenn ein Kind auf die Welt kommt! Es ist der schönste “Job” der Welt.

Simone: Nimm uns doch mal mit in deinen Alltag als Doula und gibt uns einen Einblick in diesen “Traumjob”. Wie finden Frauen dich als Doula? Was passiert dann? Und wie muss ich mir so eine Begleitung durch Schwangerschaft und Geburt vorstellen?

Cerstin: Die meisten Frauen finden mich über Empfehlungen oder über das Internet. Manche Hebammen empfehlen auch die Begleitung durch eine Doula. Der erste Kontakt findet bei mir in der Regel per Email statt. Da frage ich schon ein paar Eckpunkte ab, wie zum Beispiel den Wohnort und den Geburtszeitraum des Kindes. Das mache ich, um der Mutter sagen zu können, ob ich sie begleiten kann. Falls nein, unterstütze ich sie dabei, eine andere Doula zu finden! Wenn alles passt, machen wir einen persönlichen Kennenlerntermin bei der Familie zu Hause aus. Bei diesem Termin steht vor allem das Kennenlernen im Vordergrund, denn die “Chemie” muss für alle stimmen. Wir besprechen auch die Vorstellungen der Eltern, die Wünsche und ich erkläre meinen Aufgabenbereich.

Simone: Und was ist dein Aufgabenbereich als Doula?

Cerstin: Als Doula bin ich “Dienende der Frau”, das bedeutet, dass meine Hauptaufgabe ist, für ihr Wohlbefinden und ihre innere Sicherheit zu sorgen. Wir besprechen bei den Terminen in der Schwangerschaft alle Fragen, Sorgen und Ängste und natürlich auch Wünsche und Vorstellungen. Wir schaffen ein Vertrauensverhältnis, in dem sich die Mama fallen lassen kann.

Wenn der Geburtstermin näher rückt, gehe ich in Rufbereitschaft und bin 24 Stunden am Tag für die Familie erreichbar. Sobald die Geburt beginnt, werde ich verständigt und fahre entweder zu der Familie oder wir treffen uns am Geburtsort. Ich bleibe während der gesamten Geburt bei der Familie, ganz egal, wie lange sie dauert!

Im Wochenbett findet dann noch einmal ein Treffen statt, bei dem wir ausführlich die Geburt besprechen. Durch dieses Gespräch schließen sich eventuell bestehende Erinnerungslücken und alle offenen Fragen werden geklärt. Damit endet dann auch meine Begleitung.

Eine Doula schafft Sicherheit

Simone: Du sagst, deine Hauptaufgabe besteht darin, für Sicherheit und Wohlbefinden zu sorgen. Was verstehst du in diesem Zusammenhang unter Sicherheit? Wird nicht die Geburt durch die Anwesenheit einer Hebamme “sicher”?

Cerstin: Wenn ich von Sicherheit spreche, spreche ich vor allem von “innerer Sicherheit”. Die Mutter muss sich “in sich” sicher fühlen. Das geschieht dadurch, dass sie Vertrauen hat. In sich selbst, in ihr Baby, in ihre Geburtsbegleiter und auch in den Geburtsort. Das bedeutet auch, dass sie so wenig wie möglich in ihrer Geburtsarbeit gestört wird und zu jeder Zeit Unterstützung hat, ganz egal worum es geht.

Doula

In meinem Arbeitsalltag sind das oft “Kleinigkeiten”, die ich tue. Zum Beispiel der Mutter die Hand halten, ihr versichern, dass sie die Geburtsarbeit ganz wunderbar macht, ein Lächeln oder den Waschlappen bereit halten. Es kommt vor allem auf die Bedürfnisse der Mutter und der Familie an, denn an die passe ich mich an. Während ich der einen Mutter über Stunden Rückenmassagen gebe, erklimme ich mit der nächsten hunderte Treppenstufen und bei der dritten Mama sitze ich still in der Ecke und bin der “Fels in der Brandung”. Es gibt kein Patentrezept für die Geburt, das für alle Frauen gleichermaßen funktioniert. Daher sind die Gespräche in der Schwangerschaft so wichtig. Die unterstützen die Mutter in ihrer inneren Sicherheit, in ihrem Vertrauen und auch der Gewissheit: Es wird jemand immer für mich da sein. Das gibt Sicherheit.

Simone: Braucht es denn dann überhaupt noch eine Hebamme, wenn du all diese Aufgaben übernimmst?

Cerstin: Die Hebamme hat während der Geburt eine andere Rolle. Sie ist die medizinische Fachfrau, hält den Geburtsverlauf und die Gesundheit von Mutter und Kind im Blick. Natürlich ist eine gute Hebamme auch unterstützend in der “inneren Sicherheit”. Am schönsten und hilfreichsten für die Mutter ist es, wenn alle Geburtsbegleiter gut zu ihr und ihren Bedürfnissen passen. Je nach Geburtsort ist das aber sehr unterschiedlich und vor allem nicht vorhersehbar.

Simone: Treppen steigen, Rücken massieren und Waschlappen reichen - alles Aufgaben, die der werdende Vater übernehmen könnte, um seine Frau bei der Geburt zu unterstützen. Fühlt er sich nicht überflüssig, wenn in diesem Kreis der Frauen alle Aufgaben abgedeckt sind und er nur eine Randfigur ist? Wie erlebst du die Reaktion des Partners auf die Doula und was ist seine Rolle unter der Geburt, wenn so viele “Helfer” zur Verfügung stehen?

Cerstin: Ich wusste, dass du das fragst. *lach* Nein, die Väter sind absolut gar keine Randfiguren. Im Gegenteil!

Ich erzähl dir mal, wie es bei mir war, als ich mein erstes Kind in Begleitung meines Mannes und meiner Doula geboren habe. Mein Mann und ich hatten uns sehr intensiv auf die Geburt vorbereitet. Trotzdem war uns klar, dass wir letztlich nicht wissen, was auf uns zukommt. Die Entscheidung für eine Doula haben wir aus verschiedenen Gründen getroffen. Eine gute Doula entlastet Mutter und Vater. Eine Doula hat Geburtserfahrung, Hintergrundwissen zum Geburtsverlauf, jede Menge “Tricks” in der Doulatasche und einen “klaren Kopf”. Sie ist kontinuierlich bei uns, was uns viel Sicherheit gegeben hat. Bei einer sehr langen Geburt hätten sich mein Mann und meine Doula mit der Unterstützung abwechseln können. Die Doula ist nur für unsere Bedürfnisse da und betreut im Vergleich zu einer Hebamme keine weiteren Frauen. Eine Doula begleitet die ganze Geburt und jede Wende, die die Geburt nimmt. Mein Mann hat unserer Doula vertraut, da er bei den Gesprächen immer dabei war. Doula und Eltern bilden ein “Geburtsteam”, sie ist keine Konkurrenz zum Partner sondern Rückenstärkung. Eine Doula entlastet auch den Vater, indem sie ihm Vorschläge macht, wie er seine Partnerin unterstützen kann. Mir war wichtig, dass ich, egal was bei der Geburt passiert, sicher bin, für mich und mein Kind ist zu jeder Zeit durch eine Vertrauensperson gesorgt.

Simone: Und sind all diese Erwartungen dann auch eingetreten und die Entscheidung für die Doula war goldrichtig?

​Eine Doula - Für uns eine goldrichtige Entscheidung

Cerstin: Für uns war die Doula eine unglaublich gute Investition in unsere Geburtserfahrung. Mein Mann konnte sich so sehr gut einlassen, weil er wusste, es ist für alles gesorgt. Bei unserem zweiten Kind hatten wir eine Hausgeburt und auch da war es sehr unterstützend, weil sich mein Mann so auch um organisatorische Dinge kümmern konnte.​

Was ist eine Doula

Seit ich selbst als Doula arbeite, kenne ich auch die andere Seite und ich hatte noch nie “Probleme” mit den Vätern. Manchmal sind sie etwas verhalten und haben tatsächlich Sorge, eine Doula würde ihnen “den Platz streitig machen”. Das löst sich dann im Gespräch aber immer ganz schnell auf. Im Nachhinein ist das Feedback der Väter immer sehr positiv.  

Simone: Wow, das war jede Menge Input und sehr viele gute Argumente für eine Doula - und zwar egal an welchem Geburtsort. Wenn ich jetzt schwanger wäre - und nicht dich an meiner Seite hätte - was könnte ich tun, um eine Doula zu finden?

Cerstin: Der erste Schritt wäre “Tante Google” zu befragen. Mit dem Suchbegriff “Doula + deinem Wohnort” solltest du Doulas in deiner Nähe finden. Falls dem nicht so ist (und das kann in ländlichen Gegenden durchaus noch sein), kannst du bei “Doulas in Deutschland (DiD)” nachgucken, bei der “Gesellschaft für Geburtsvorbereitung (GfG)” oder bei den “Bauchflüsterinnen” und auch in Österreich und der Schweiz gibt es Vereine, die Listen mit Doulas führen. Viele Doulas unterstützen dich auch darin, eine passende Kollegin zu finden. So werde ich immer wieder von Frauen angeschrieben und teile ihre Anfrage dann in meinem Doula-Netzwerk. In den meisten Fällen lässt sich eine Begleiterin finden!

Simone: Und mit welchen Kosten muss ich rechnen, wenn ich mich für die Begleitung durch eine Doula entscheide?​

Die Kosten einer Doula

Cerstin: Die Kosten für eine Doula sind sehr unterschiedlich. Zwischen 350€ - 1000€ ist alles dabei. Aber bevor dir jetzt die Kinnlade runterfällt, lass mich das kurz aufschlüsseln.

Du hast normalerweise immer ein Kennenlerngespräch mit deiner Doula, bei dem du sie persönlich triffst. Wenn du dich für die Begleitung entscheidest, triffst du dich noch 2-3 Mal in der Schwangerschaft mit ihr. Diese Treffen dauern zwischen 2-3 Stunden. 14 Tage vor und 14 Tage nach deinem Geburtstermin ist deine Doula für dich rufbereit, das bedeutet, sie ist 24 Stunden am Tag für dich erreichbar. Wenn deine Geburt beginnt, ist deine Doula sobald du sie rufst, an deiner Seite und begleitet dich, ganz egal wie lange deine Geburt dauert. Nach der Geburt bleibt sie noch 2-4 Stunden bei dir, um dich zu unterstützen. Im Wochenbett gibt es dann wieder 1-3 Treffen, um die Geburt zu reflektieren und dich zu unterstützen.

Natürlich weiß ich und jede Doula, dass es für Eltern viel Geld ist, was sie zahlen. Wenn du aber überlegst, was du dafür bekommst und dass es dabei um die einmalige Geburt deines eigenen Kindes geht, dann ist es wirklich jeden Cent wert. Außerdem kannst du auf die andere Seite schauen und dann verstehst du, dass eine Doula nur mit Glück überhaupt den Mindestlohn verdient. Ich denke, damit erübrigt sich jede Diskussion.

Es gibt auch immer die Möglichkeit, die Familie und Freunde ins Boot zu holen und sich einen Beitrag zur Geburt zu wünschen. Denn eines ist sicher, viele kleine Geschenke wie  Babystrampler sind zwar süß, helfen dir aber bei weitem nicht so, wie eine Doula.

Darüber hinaus bieten viele Doulas auch Ratenzahlungen und individuelle Lösungen an, nachfragen lohnt sich! Für Familien mit sehr wenig Geld und für Frauen, die zum Beispiel alleinerziehend sind, gibt es auch die Möglichkeit, zum Beispiel den Verein „Doulas in Deutschland (DiD)“ anzusprechen, dieser unterstützt Familien in finanziellen Engpässen bei der Finanzierung einer DiD-Doula.

Simone: Ok, das waren wertvolle Infos und ich denke, wenn du den Wunsch nach einer Doula an deiner Seite spürst, dann mach dich auf den Weg und suche eine passende Lösung. Sorge an diesem einmaligen Tag der Geburt gut für dich. Wenn noch Fragen offen sind, stell sie uns gerne als Kommentar unter diesen Blog oder schreib uns, welche persönliche Erfahrung du mit einer Doula gemacht hast.

Erwarte eine Zeit voller Wunder!

Cerstin & Simone

Hier findest du weitere Informationen über die Doula-Geburtsbegleitung oder eine Doula, die dich begleitet: