Dass Rauchen ein No-Go und Alkohol in der Schwangerschaft tabu ist, wissen inzwischen die meisten Schwangeren. Schwieriger wird es bei Ernährungsfragen, beim Umgang mit Gorgonzola, Mettwurst oder Sushi.

Doch wie steht es eigentlich um Pflegeprodukte und Kosmetik in der Schwangerschaft? Welche Inhaltsstoffe solltest du meiden und wie findest du überhaupt heraus, was in deinem Make-up und der Tagescreme verarbeitet ist?

Von Mikroplastik in Duschgel, Zahnpasta und den Weltmeeren haben wir seit Greta Thunberg alle schon einmal gehört. Doch die Listen der kryptischen Inhaltsstoffe sind lang und bei zig verschiedenen Labels, die alle irgendwas klassifizieren, verliert Frau schnell den Überblick.

Da gibt es inzwischen tierversuchsfreie Kosmetik, Naturkosmetik, Biokosmetik und vegane Kosmetik. Und wo bitte schön steckt Kosmetik für Schwangere drin?

In diesem Artikel verrate ich dir, was hinter den jeweiligen Begriffen steckt und welche Entscheidungen du in Bezug auf deine Kosmetikprodukte treffen solltest. Ich zeige dir, wie du Kosmetik findest, die du als Schwangere guten Gewissens benutzen kannst. Und ich erzähle dir, wie ich vorgegangen bin, um meinen Badezimmerschrank von schädlichem Zeugs zu befreien (inklusive Supertool) und bei welchen drei Marken ich hängengeblieben bin.

​Ohne Tierversuche, natürlich, bio oder vegan?

Wie kompliziert ist das denn?

Beginnen wir mit etwas, das mit schwanger oder nicht nichts zu tun hat und dennoch an dieser Stelle gesagt werden soll. Seit 2003 wurden Tierversuche für die Herstellung von Kosmetikprodukten in der EU Schritt für Schritt verboten. Das ist die gute Nachricht.

Die schlechte: Viele Inhaltsstoffe in Kosmetikprodukten fallen unter das Chemikaliengesetz REACH und können oder müssen an Tieren getestet werden. Außerdem gibt es mal wieder jede Menge Schlupflöcher, um an Mäusen in China zu testen und die neu entwickelte Creme dann hierzulande zu verkaufen.

Ich versteh das nicht. Wie kann es bei dieser riesigen Anzahl an bestehenden Produkten, die erprobt und zugelassen sind, so schwierig sein, auf das Quälen von Tieren zu verzichten, um eine neue Wimperntusche oder den tausendsten magenta farbenen Lippenstift herzustellen?

Sei`s drum. Nicht meckern, sondern bewusst machen.

Wenn auch du findest, dass Tierversuche der Vergangenheit angehören sollten, gilt bei der Auswahl deiner Kosmetikprodukte folgendes: Es reicht nicht alleine auf das Produktionsland zu achten und auch die Aussage “das Produkt wurde nicht an Tieren getestet” ist verwirrend, da sehr wohl einzelne Inhaltsstoffe an Tieren getestet werden konnten. Positivlisten mit Herstellen tierversuchsfreier Kosmetik findest du bei PETA Deutschland und beim Tierschutzbund. (Diese Seite wird aktuell überarbeitet.)

​Wie natürlich ist Naturkosmetik?

Wenn ich an den Shampooregalen bei dm vorbei schlendere, komme ich mir fast vor, wie in einem gut sortierten, reichhaltigen Obst- und Kräutergarten. Für gefärbtes Haar braucht es Color-Glanz-Shampoo mit Granatapfel, während Kiwi und Apfelminze den Volumen-Kick verpassen. Malve und Brombeere sind für die ganze Family geeignet und wer beim Haare waschen Schuppen bekämpfen möchte, greift zu Paranuss und Rosmarin.

Wunderschöne Obst und Pflanzenfotos holen uns die Natur direkt in unsere Duschkabine und wir vertrauen darauf, dass überall wo “Natur” draufsteht, auch Natur drin ist. Die kalte Dusche der Ernüchterung folgt jetzt: Naturkosmetik ist kein geschützter Begriff. Jeder Hersteller, der Inhaltsstoffe pflanzlicher Herkunft in seine Fläschchen füllt, kann auf diese Pflanzen- oder Naturkosmetik draufschreiben.

Erst, wenn bestimmte Label ins Spiel kommen, bürgt der Hersteller dafür, dass ein bestimmter Anteil der Inhaltsstoffe auch wirklich natürlichen Ursprungs ist. Es macht also Sinn, sich im Label-Dschungel einmal zurechtzufinden und dich zu fragen “Was bedeuten die Kosmetiksiegel?”. Hersteller, die ein Naturkosmetiksiegel haben, verzichten nämlich auch auf chemisch-synthetische Inhaltsstoffe, die umstritten und in der EU noch erlaubt sind.

​Natur ist bio! Logisch?

Äh nein. Leider nicht. Selbes Thema wie beim Essen. Es gibt den konventionellen Anbau und den biologischen. Bei Biokosmetik dasselbe Spiel: Hier kommen die Inhaltsstoffe zu einem sehr hohen Anteil aus kontrolliert biologischem Anbau. Es wird also auf chemische Schädlingsbekämpfungs- und Düngemittel verzichtet, auch gentechnisch verändertes Saatgut ist nicht erlaubt.

Biokosmetik ist sozusagen die “Crème de la Crème” der Kosmetik, weshalb ich sie dir für die Schwangerschaft empfehlen würde. Es gibt kein Label, das “Kosmetik für Schwangere” auszeichnet, aber sicherlich entsprechen Biokosmetikprodukte den allerhöchsten Ansprüchen. Bist du also auf der Suche nach Produkten, die du bedenkenlos verwenden kannst, solltest du dich in diesem Bereich umsehen.

​Vegane Kosmetikprodukte

Zu deiner Orientierung in der Kosmetikabteilung fehlt nun noch eine letzte Erklärung: Was es mit veganer Kosmetik auf sich hat und worauf du achten solltest. Vegan bedeutet, ohne tierische Inhaltsstoffe. Vegane Kosmetik macht für mich Sinn, seit ich mich mit gängigen Inhaltsstoffen beschäftigt habe.

Wusstest du, dass Fibrostimulin K aus Kälberblut, Hyaluronsäure aus Hahnenkämmen oder Stearinsäure aus Schweinemägen in deiner Feuchtigskeitscreme enthalten sein könnte? Du kannst denken: “Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß” und wenn es dir nichts ausmacht, ist das vollkommen in Ordnung. Für mich hat es einen ziemlichen Ekelfaktor und mit diesem Wissen vergeht mir die Lust, meiner Haut vor dem zu Bett gehen noch eine Runde Feuchtigkeit zu gönnen.

Eine schöne Auswahl veganer Kosmetik findest du bei der Shop Apotheke, eine tolle Zusammenstellung tierischer Inhaltsstoffe in kosmetischen Produkten und ihre veganen Alternativen gibt`s ebenfalls bei der Shop Apotheke als PDF.

Merke: Vegane Kosmetik enthält keine Inhaltsstoffe, die von oder aus Tieren produziert wurden. Doch, oh Schreck: Nicht zwangsläufig sind vegane Produkte auch 100% ohne Tierversuche hergestellt.

Herrje, wie bescheuert ist das denn? Ich kann es voll und ganz verstehen, dass du an dieser Stelle die Hände über dem Kopf zusammen schlägst und verzweifelst. Tu`s nicht! Du hast es fast geschafft, denn jetzt kommen wir zum wesentlichen Teil. Ich erzähle dir, was ich getan habe, um meinen Badezimmerschrank zu durchforsten und wie auch du herausfindest, welche Marken und Produkte bei dir einziehen dürfen.

​So bringst du Klarheit in deinen Badezimmerschrank

Bei all den Labels, Einschränkungen und ungeschützten Begriffen kann einem tatsächlich schwindelig werden. Vor allem, weil du nicht vorhattest Fachfrau für Kosmetikdeklaration zu werden, sondern einfach nur wissen möchtest, welche Pflegeprodukte in der Schwangerschaft angesagt sind.

Also.

Nehmen wir es in Angriff, das Projekt “Kosmetik für Schwangere”.

Drei einfache Schritte führen zum Ziel.

​Schritt Nr.1: Bestandsaufnahme - Prüfe, was du bisher nutzt

Warst du gezielt auf der Suche nach Pflegeprodukten für Schwangere oder hast du dir bisher gar keine Gedanken gemacht, aber jetzt magst du dich gerne kümmern?

Dann werde dir bewusst, was zu deinen Werten passt und was dir wichtig ist. Lebst du vegan und tierische Inhaltsstoffe gehen für dich gar nicht oder ist dir das nicht so wichtig, aber bio soll es sein? Wie stehst du zu Tierversuchen und welche Produkte stehen bisher in deinem Schrank?

Wirf einen Blick in deinen Badezimmerschrank und mach eine kleine Bestandsaufnahme.

Ein wertvoller Helfer, den ich selbst regelmäßig nutze, ist die CodeCheck-App. Mit ihr kannst du den Barcode deiner Pflegeprodukte scannen und sehen, welche Stoffe darin enthalten und eventuell gesundheitsschädlich sind. Aber Vorsicht: Als ich CodeCheck zum ersten Mal benutzt habe, musste ich mich immer wieder kopfschüttelnd auf den Badewannenrand setzen und ….naja, Kopfschütteln halt. Ok, bei manchen Inhaltsstoffe ist die schädliche Wirkung vielleicht noch nicht endgültig und hundertprozentig nachgewiesen, aber dennoch war ich schockiert darüber, bei wie vielen Stoffen “steht im Verdacht” irgendeinen Sch**** auszulösen angezeigt wird und ich nutze es täglich.

Mein Tipp deshalb: Starte dieses Projekt in guter emotionaler Verfassung.

Am Ende dieses ersten Schrittes hast du deinen eigenen Badezimmerschrank einmal ausgeräumt und weißt, was du in Zukunft möchtest. Vielleicht hast du schon Produkte aussortiert, die so gar nicht gehen oder innerlich gejubelt, weil deine Zahnpasta durch und durch grün ist und bleiben darf.

Weiter geht`s.

​Schritt Nr. 2: (Neu-)Orientierung - Finde heraus, was du in Zukunft möchtest

Studiere die Produkte, die übrig bleiben. Welche Labels tragen sie und genügen sie damit den Ansprüchen, die du (jetzt) hast? Wo gibt es Handlungsbedarf und du wirst einkaufen müssen, weil du dein Deo nicht mehr weiter benutzen magst oder dich bei den Haarshampoos lieber nochmal genauer umschaust?

​Schritt Nr. 3: Entscheidung - Suche Marken, die zu dir passen

Ich finde es praktisch, sich Marken bzw. Produkte zu suchen, die den eigenen Ansprüchen genügen. Dann überlegst du nicht jedesmal neu, wenn du durch den Drogeriemarkt schlenderst. Außerdem vermeidest du spontane Impulskäufe, die dann später als Schrankhüter in deinem Kosmetikbestand vergammeln, weil du im Nachhinein feststellst, dass dieser Lippenstift ein Fehler war.

Du hast einfach deine Zahnpasta, deine Wimperntusche und deine Tagescreme. Fertig!

Jetzt weißt du ja, auf welche Kriterien du bei der Auswahl achten kannst.

​Exklusiver Einblick in meinen Badezimmerschrank

Es folgt ein kurzes Outing, denn ich verrate dir, wie die beschriebenen Schritte bei mir aussahen und welche grundsätzlichen Überlegung zu meinem Sortiment geführt haben.

Ich persönlich möchte keine ekligen tierischen Inhaltsstoffe in meinen Pflegeprodukten, weshalb ich vegan attraktiv finde. Bienenwachs oder Lanolin sind für mich aber durchaus ok. Kein Wochenbett ohne Lanolin für strapazierte Brustwarzen, also ich habe das in meiner Stillzeit immer wieder benutzt. Tierversuche müssen echt nicht sein und ich steh auf Biokosmetik, weil wir auch Lebensmittel in Bioqualität bevorzugen.

Am Ende bin ich bei folgenden drei Marken gelandet: Lavera, Weleda und Dr. Hauschka.

Warum?

Lavera weil es natürlich, bio, vegan und Made in Germany ist. Zudem muss ich nicht in irgendeinen exklusiven Bio-Öko-Was-weiß-ich-Laden fahren, um es zu erwerben, sondern finde es ganz einfach dort, wo ich sowieso einkaufe.

Weleda, weil ich den Duft von diesen Duschgels und Ölen liebe und es genauso hochwertig produziert. Die ersten Produkte, die ich an die Haut meiner Babys gelassen habe, waren ebenfalls von Weleda.

Und Dr. Hauschka gehört für mich in die Kategorie “Ich gönn mir ja sonst nichts”. Seit mein Bruder dort gearbeitet hat, weiß ich, wie ernst sie es mit regionalen Partnern und Qualitätsstandards nehmen. Zu wissen, dass das nicht nur auf der Homepage so steht, sondern echt konsequent gelebt wird, macht mich voll an. Und die Zitronen Lemongrass Körpermilch ist einfach nur himmlisch lecker.

Nach und nach befindet sich mein Badezimmerschrank derzeit im Umbruch 2.0.. Die Aktion “plastikfrei” ist gestartet und wir versuchen mehr und mehr Müll zu reduzieren. Aber das, liebe Leserin, ist wieder eine ganz andere Geschichte.

Ich bin gespannt, zu welchen Schlüssen du gekommen bist. Was darf bleiben und was muss gehen? Welche Pflegeprodukte benutzt du nach diesem Artikel noch immer guten Gewissens und worauf wirst du in Zukunft achten?

Ich freu mich auf deine beautifulle Erfahrung in den Kommentaren.

Erwarte eine Zeit voller Wunder!

Simone

Über mich

Ich bin Simone Vogel und gemeinsam mit Cerstin Jütte Gründerinnen von NONAWUNDER

Dieser kleine Ausflug in die Welt der Kosmetik war auch für mich sehr spannend. Ich liebe es, Themen rund um Schwangerschaft und Geburt so auszuarbeiten, dass sie leicht lesbar, informativ und hilfreich sind.

Ich hoffe, das ist mir auch mit diesem Beitrag gelungen und ich konnte dir helfen etwas Ordnung und vorallem ein gutes Gefühl in deinen Badezimmerschrank zu bringen. Vergiß vor lauter Creme, Wimperntusche und Lippenstift nicht, dass DU auch ohne Make up wunderschön bist und erwarte eine Zeit voller Wunder!