Mein Ältester wird jetzt zehn.

Die Pubertät ist im Anmarsch. Man merkt es an stinkenden Socken und seiner deutlich verkürzten Kommunikation. Sie beschränkt sich meist auf das Wesentliche und kommt erstmal mit wenigen, klar formulierten Floskeln aus, die für die jeweilige Gefühlslage stehen.

Beliebt sind: Alter! Echt jetzt? Und: Nicht mein Problem.

Insbesondere letzteres hat das Potenzial, bei mir körperliche Reaktionen hervorzurufen.

Chaos auf dem Schreibtisch, unabgeheftete Arbeitsblätter im Schulranzen und Schienbeinschoner, die tagelang auf der Heizung auslüften. Ich spreche an, was mich nervt und warum ich es gerne anders hätte und ernte ein nüchternes “Nicht mein Problem”.

Eines Nachmittags fällt mir in unserer Postfiliale an einem Postkartenständer ein Schild in die Finger:

“Der Weg zu innerem Frieden beginnt mit drei magischen Worten: Nicht mein Problem.”

Natürlich muss ich an meinen Sohnemann denken. Zwischen meinem Mann und mir ist “Nicht mein Problem” inzwischen zum Running-Gag geworden. Ohne nachzudenken, folge ich meinem Impuls dieses olle Schild zu kaufen und für einen Lacher am Abendbrottisch zu sorgen.

Auf dem Nachhauseweg denke ich erstmals darüber nach, wie es wäre, dieser klaren Aussage etwas Positives abzugewinnen. Dass es ja so oft im Leben tatsächlich Sinn macht, sich die Befindlichkeiten, Probleme und Sorgen anderer Menschen NICHT zu eigen zu machen. Dass es von Selbstfürsorge und Klarheit zeugt, fremde Baustellen nicht zu den eigenen zu machen, sich abzugrenzen und für sich selbst einzustehen.

Kann ich vielleicht sogar von einem Zehnjährigen inneren Frieden lernen?

​Scanne deinen Alltag

Als ich das Schild am nächsten Tag in seinem Zimmer aufhängen möchte, kommen mir Zweifel. Es fühlt sich nicht richtig an, diesen Text an seine Wand zu heften. Ich betrachte das Schild und verstehe plötzlich, dass das Wort, welches am größten geschrieben ist, das Problem darstellt: PROBLEM!

Unser Unterbewusstsein kennt kein “nicht”. Was also hängen bleibt, ist das Problem. Mit einem doofen Schild bringe ich ein Problem in das Leben meines Sohnes. Wo er doch bisher nur wenige hatte. Mir wird schlagartig bewusst, dass hier das, was wir im lila Faden, in unserem Geburtsvorbereitungskurs und auch in unserem brandneuen eBook "WunderSchönGebären" nutzen, wirksam wird: Die große Macht der Sprache - die Arbeit mit positiven Affirmationen!

Ein einziges Wort kann uns fokussieren, bestärken, ermutigen und trösten. Aber es kann uns auch verunsichern, schwächen und ins Zweifeln bringen. Ein einziges Wort kann zum Problem werden und wenn wir es immer wieder betrachten, gräbt es sich tief in unser Unterbewusstsein ein und entfaltet dort, ohne dass wir es merken, seine Wirkung.

Wie soll ein Kind, über dessen Schreibtisch “Mathe ist ein Arschloch!” hängt, mit Freude seine Rechenaufgaben lösen? Wie soll deine Zuversicht wachsen, wenn du dir einredest: “Ich habe keine ANGST vor der Geburt!”?

Ich weiß das eigentlich. Doch im Zusammenhang mit “Nicht mein Problem” habe ich es komplett vergessen. Es hat mich wachgerüttelt und mir die Wirkung, die Sprache hat, noch einmal deutlich vor Augen geführt. In den nächsten Tagen scanne ich meinen Alltag, all die Postkarten im Arbeitszimmer, am Kühlschrank, der Klotür.

Ich finde keine Fehler. Let`s rock! “Carpe diem” und “Königin des Alltags” dürfen bleiben.

“Nicht mein Problem” muss gehen.

Mein Appell an dich: Scanne mit wachsamem Blick deine Umgebung. Mit welchen Worten umgibst du dich? Kalendersprüche, Zitate auf deiner Facebook-Timeline und Bildschirmschoner. Werde dir der großen Macht von Sprache bewusst und nutze sie positiv.​

Und für heute gilt: Carpe diem, finde inneren Frieden und erwarte eine Zeit voller Wunder!

*Simone

P.S.: Das doofe Schild hab ich übrigens immer noch hier liegen. Und während ich diesen Beitrag schreibe, denke ich so: Mit welchen drei Worten könnte ich “Nicht mein Problem” überkleben, sodass die 5,95 Euro keine komplette Fehlinvestition waren. (Waren sie ja eh nicht, Augenöffner und inneres Wachstum = unbezahlbar!) Worte, die meinem Sohn tatsächlich zu innerem Frieden verhelfen und auf die sein Blick beim Lego bauen gerne fallen darf? Hast du eine Idee? Dann poste sie mir gerne in den Kommentaren, ich freu mich drauf!​

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