Ich lese es immer wieder. Frauen, die fragen, was sie tun sollen, wenn der Mann “es” nicht will. Die Anwesenheit einer Doula, die Ausgabe für den Hypnobirthing-Kurs oder die Geburt zuhause. Sie stecken in einem Dilemma: Während das Bauchgefühl sagt “Hier geht’s lang”, bleibt der Liebste an der Kreuzung stehen oder möchte gar in eine andere Richtung laufen.

Was nun?

Wir Frauen haben gelernt, brav zu sein. Unsere Teller leer zu essen und uns nicht schmutzig zu machen. Harmonie ist alles, wenn du geliebt werden willst. Die Gleichung ist einfach: Wer brav ist, wird belohnt.

Nichts wünschen wir uns in der Schwangerschaft so sehr, wie Harmonie, traute Zweisamkeit und 9 rundum glückliche Kugelmonate. Schließlich ist dieses Wunder aus unserer Liebe zum Partner entstanden. Gerne wollen wir sie ausstrahlen, vermehren und leben.

Gleichzeitig sind wir empfindsamer als sonst. Wir sind offen für jede Disharmonie, jede minimale Grenzüberschreitung und alles, was eben gerade nicht rund läuft. Unsere weiblichen Antennen scannen die Umgebung, orten die Menschen und Dinge, die uns schaden und melden uns zuverlässig, wann sich etwas nicht harmonisch anfühlt.

Hand auf den Bauch! Auch du trägst sie in dir, diese innere Weisheit, die dir zuflüstert “Tu`s nicht, das fühlt sich gar nicht gut an!” Und das bringt uns in eine Zwickmühle: Dem Liebsten folgen oder deinem Bauchgefühl vertrauen? Dem anderen zuliebe umkehren oder dir selbst treu sein?

Du bist kein Kind mehr, das sich die nächste Süßigkeit oder die Gute-Nacht-Geschichte verdienen muss. Du bist eine erwachsene Frau. Eine Frau, die nun selbst Mutter ist, ihren Weg gehen darf und die Verantwortung für ihr Leben trägt.

Werde erwachsen und hör auf, artig zu sein. Frage dich ernsthaft: Was fühlt sich für dich gar nicht gut an und du tust es nur, um die Harmonie zu wahren und es anderen Menschen recht zu machen? Dieser Mensch muss nicht immer dein Partner sein. Auch mit der eigenen Mutter, der besten Freundin, deiner Hebamme oder dem Gynäkologen wünschen wir uns harmonische Begegnungen. Doch manchmal bezahlen wir dafür einen sehr hohen Preis.

Wenn dein Partner sich eine Doula für die Geburt nicht vorstellen kann, hast du am Ende den Nachteil. Und er auch, das weiß er nur noch nicht. Stell dir vor, ihr habt vereinbart, dass er bei eurem Baby bleiben soll, komme was wolle. Und dann kommt es zum Kaiserschnitt. Dann bist du diejenige, die nach der Geburt alleine im OP liegt, ohne Doula.

Wenn dein Partner nicht bereit ist, in eure Geburtsvorbereitung zu investieren, hast du am Ende den Nachteil. Du wirst die Wehen veratmen, wirst die Geburtsarbeit leisten und diesen “Mount Everest der Körperfunktionen” erklimmen, während dein Mann dir ein bisschen Händchen hält und selbst immer nervöser wird, weil er nicht weiß, was er tun soll. (Wie soll er das auch wissen, ohne Vorbereitung?) Und ja, er sitzt dann vielleicht wie ein Häufchen Nichtwissen im Kreißsaal, aber du bist diejenige, die die Geburt eures Kindes wuppt, ohne Geburtsvorbereitungskurs.

Wenn dein Partner sich eine Geburt zu Hause gar nicht vorstellen kann, weil er Ängste hat, die er nicht hinterfragt, obwohl es für dich das perfekte Setting wäre, hast du am Ende den Nachteil. Du lässt an einem völlig fremden Ort die Hosen runter, wirst von Menschen begleitet, die du nicht kennst und lieferst dich den Routinen der Klinik aus. Du bist diejenige, die das Kind gebärt, das Setting sollte also für DICH optimal passen. Denn du bist diejenige, die mit Wehen Auto fahren und sich von einer fremden Hebamme vaginal untersuchen lassen muss. Nein, Danke!

Ich habe an dieser Stelle eine ganz klare Meinung: Der Preis ist zu hoch!

Für ein bisschen (falsche!) Harmonie in der Schwangerschaft nimmst du einen Haufen Nachteile in Kauf, die dich am Ende daran hindern, den Weg zu gehen, der sich für dich richtig anfühlt. Dein Weg, dein authentischer Weg, der Weg, auf dem du wachsen und lernen und ganz schön unartig sein darfst. Hör auf, brav zu sein und vertraue der wilden Frau in dir, die keine Lust hat, ihren Teller leer zu essen. Vertraue dem mutigen Mädchen in dir, das auf Bäume klettert und Ausschau nach neuen Abenteuern hält. Vertraue der Weisen in dir, die dir den nächsten Schritt zeigen wird und dir dabei hilft, deinen Weg zu gehen.

Sie hat dich dazu geführt, diesen Artikel bis hierhin zu lesen und dich jetzt zu fragen: Wo (in deiner Schwangerschaft, deiner Geburtsvorbereitung und deinem Leben) bist du artig, anstatt selbstbestimmt deinen Weg zu gehen?

Goodby harmony und erwarte eine Zeit voller Wunder!

Deine Simone

Über mich

Ich bin Simone Vogel und gemeinsam mit Cerstin Jütte Gründerinnen von NONAWUNDER

Wir unterstützen Frauen dabei ihre Schwangerschaft bewsuut zu gestalten, ihre innere Weisheit (neu) zu entdecken und voll und ganz in ihre Kraft zu kommen. Ja, und dabei, rufen wir manchmal auch zum Unartig-Sein auf. Wenn du mehr über selbstbestimmte Schwangerschaft und Geburt erfahren und dich mit anderen Frauen darüber austauschen magst, bist du in unserer Facebook-Gruppe "Bewusst schwanger - selbstbestimmt und natürlich gebären" herzlich willkommen. Ich freu mich auf dich!